Zahn-Rat Juni 2019

Unsichtbar und ästhetisch anspruchsvoll: Kunststoff-Füllungen

In den letzten Jahren ist ein deutlicher Trend zu Kunststoff-Füllungen – auch im Seitenzahnbereich – zu beobachten. Mehr und mehr Patienten wünschen Amalgamalternativen.

Warum?

Einerseits der gesteigerte ästhetische Anspruch, anderseits Bedenken bzgl. erhöhter Quecksilberbelastung. Bei optimalen Voraussetzungen sind Kunststoff-Füllungen ideal: Die Haltbarkeit kann heute beinahe mit der des Amalgams verglichen werden, für das Legen der Füllung muss aber deutlich weniger Zahnsubstanz geopfert werden. Optisch sind sie vom natürlichen Zahn selbst vom Zahnarzt kaum zu unterscheiden.

Was ist eine Kunststoff-Füllung?

Dieses Füllmaterial – der Zahnarzt nennt es „Komposites“ – besteht nur etwa ein Drittel aus tatsächlichem Kunststoff, zwei Drittel bestehen aus mikroskopisch kleinen Keramik- und Quarzteilchen.

Vor rund 30 Jahren, als diese Zahnfüllungen entwickelt wurden, waren sie für die Seitenzähne nicht geeignet. Neue Inhaltsstoffe und Verarbeitungsverfahren der letzten Jahre ließen sie immer haltbarer werden. Aufgrund neuer Technologien und neuer Klebstoffe ist es heute möglich Zahn und Füllung dauerhaft zu verbinden. Und hier liegt die Kunst der neuen Technik: Die „Klebestelle“ muss trocken sein.

Nach dem Trocknen werden die Zähne für die Behandlung gesäubert, mit einer schwachen Säure vorbehandelt und der Kleber aufgetragen.

Auch die neuen Komposites schrumpfen während der Aushärtung ein wenig. Darum ist es notwendig die Kunststoffmasse in mehreren Schichten (Mehrschichttechnik) einzubringen und jede Schicht mit einer speziellen Lampe zu härten. Der Zeit- und Materialaufwand ist mehr als doppelt so hoch wie bei Amalgamfüllungen.
Sehr kleine Defekte im Zahn, die meist noch auf den Zahnschmelz beschränkt sind, können mit einer Amalgamfüllung nicht saniert werde. Früher konnte man nur warten, bis sie groß genug waren. Heute ist mit speziellen Kunststoffen auch ein Schutz solcher Zähne möglich, man spricht hier von einer Versiegelung.

 

Perfekt gefüllt:

Für den Bereich der Frontzähne gilt: Nur so groß wie unbedingt nötig, dafür so natürlich wie irgendwie möglich. Komposites lassen sich gut an die Zahnfarbe angleichen – die Füllung ist nicht zu sehen.

Im Seitenzahnbereich sind mit Komposites jedoch nur kleine bis mittelgroße Wiederherstellungen sinnvoll. Bei großen Defekten der Zahnsubstanz ist die Composite-Füllung zwar die beste Möglichkeit, den Zahn zu versorgen, trotzdem aber nur als Langzeitprovisorium zu sehen, bis der Zahn mit einer hochwertigen Versorgung wie z.B. einer Krone restauriert wird.

Aber Achtung, Kontroll-Termine sind wichtig!
Weil die Füllung so großartig aussieht, ignorieren Patienten immer wieder die weitere Behandlungsnotwendigkeit. Jede Füllung hat eine begrenzte Lebensdauer – auch wenn diese bei Kunststofffüllungen relativ hoch ist. Die Füllung wird irgendwann unbemerkt undicht. Aufgrund des hohen Abriebs senkt sich nach und nach der gesamte Biss – eine Kiefergelenkerkrankung kann entstehen.

Der zahnärztliche Rat, übergroße Kunststoff-Füllungen allmählich durch stabilere Materialien zu ersetzen, solle daher unbedingt befolgt werden. Geeignet dafür sind zum Beispiel Gold oder Keramik. Bei einer amalgamfreien Zahnsanierung kommen oft mehrere der genannten Materialien zum Einsatz.

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